Ratgeber · Programme · Aktualisiert am 30. September 2026

JTF-Förderung in Sachsen: Antragsstopp in der Lausitz, Brandenburg läuft weiter

Die Lausitz endet nicht an der Landesgrenze, der Just Transition Fund auch nicht: Die EU fördert den Strukturwandel auf brandenburgischer wie auf sächsischer Seite. Trotzdem sitzen Betriebe in Guben und Weißwasser förderrechtlich in zwei verschiedenen Welten, mit unterschiedlichen Programmen, Banken und Regeln. Dieser Beitrag sortiert, wer wo beantragt und was die beiden Systeme unterscheidet.

Ein EU-Fonds, sechzehn mögliche Umsetzungen

Der Just Transition Fund ist ein Topf der EU für Regionen, die der Abschied von Kohle und fossiler Energie besonders trifft. Das Geld fließt aber nicht direkt von Brüssel an Unternehmen: Jedes Bundesland baut aus seinem JTF-Anteil eigene Förderprogramme mit eigenen Richtlinien, eigenen Bewilligungsstellen und eigenen Fristen. Deshalb gibt es nicht die eine JTF-Förderung, es gibt die Brandenburger Programme, die sächsischen Programme und weitere in anderen Revieren.

Brandenburg: ILB, zwei Gebiete, bis zu 70 %

In Brandenburg heißt das zentrale Instrument JTF-Unternehmensförderung und wird von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) bewilligt. Es gibt zwei Richtlinien: eine für das Lausitzer Revier (Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Cottbus und Teile von Dahme-Spreewald) und eine für den gesamten Landkreis Uckermark, wo der Umbau der PCK-Raffinerie in Schwedt den Anlass gibt. Gefördert werden produktive Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen mit bis zu 70 % Zuschuss im De-minimis-Rahmen, alternativ über den AGVO-Weg. Beide Richtlinien treten mit Ablauf des 30.06.2027 außer Kraft, was diese Frist genau bedeutet, haben wir gesondert aufgeschrieben.

Sachsen: SAB, Programm Regionales Wachstum

In Sachsen laufen die JTF-Mittel über die Sächsische Aufbaubank (SAB). Für produktive Investitionen von KMU ist vor allem das Programm Regionales Wachstum relevant, das aus JTF-Mitteln verstärkt wird. Die vorgesehenen Gebiete waren das sächsische Lausitzer Revier mit den Landkreisen Bautzen und Görlitz, das Mitteldeutsche Revier mit den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sowie die Stadt Chemnitz.

Wichtiger Hinweis zum Antragsstopp (Stand 30.09.2026)Der JTF-Topf für das Programm Regionales Wachstum ist in der sächsischen Lausitz ausgeschöpft. Laut SAB werden in den Landkreisen Bautzen und Görlitz seit dem 1. März 2026 keine neuen Anträge mehr angenommen, in der Stadt Chemnitz seit dem 21. Mai 2026. Die ursprünglich 100 Millionen Euro waren zuvor auf rund 129,6 Millionen Euro aufgestockt worden. Anträge sind nur noch für Vorhaben in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen (Mitteldeutsches Revier) möglich, dort bei einer von 70 auf maximal 40 % gesenkten Quote, damit der EU-Anteil an der Förderung unter der vorgeschriebenen Grenze bleibt. Auch das sächsische Landesprogramm für die übrigen Landkreise nimmt nach Angaben der SAB derzeit keine Anträge an. Den tagesaktuellen Stand veröffentlicht die SAB auf ihrer Programmseite.

Für die sächsische Lausitz ist der Förderweg damit vorerst zu, ein Nachfolgeprogramm ist nicht angekündigt. In Brandenburg läuft die JTF-Unternehmensförderung dagegen weiter. Das sächsische Beispiel zeigt allerdings, wie schnell ein befristeter Topf vor dem offiziellen Fristende erschöpft sein kann: Der Stopp kam gut anderthalb Jahre vor dem Ende der EU-Förderperiode.

Die Betriebsstätte entscheidet

Für Sie als Unternehmer zählt eine einzige Frage: Wo liegt die Betriebsstätte, in der investiert wird? Wer in Weißwasser, Hoyerswerda, Bautzen oder Görlitz produziert, gehört ins sächsische System und beantragt bei der SAB, wo der JTF-Weg für diese Landkreise aktuell allerdings geschlossen ist (siehe Hinweis oben). Wer in Guben, Forst, Spremberg, Cottbus, Senftenberg oder Schwedt investiert, läuft über die ILB nach den Brandenburger Richtlinien, die weiter offen sind. Der Firmensitz kann dabei woanders liegen: Die Brandenburger Programme verlangen mindestens eine Betriebsstätte im jeweiligen Fördergebiet, in der das Vorhaben umgesetzt wird.

Ein Sonderfall sind Betriebe mit Standorten auf beiden Seiten der Grenze. Dann entscheidet der Investitionsort je Vorhaben. Für denselben Unternehmer kann es beides geben: einen SAB-Antrag für das sächsische Werk und einen ILB-Antrag für den Brandenburger Standort.

Was das für Ihre Planung heißt

Vergleichen lohnt sich nur begrenzt, denn wählen können Sie nicht: Das Programm folgt dem Standort. Was sich überall lohnt, ist Tempo mit Augenmaß, denn die EU-Förderperiode läuft 2027 aus und die Brandenburger Richtlinien enden am 30.06.2027. Betriebe mit Standorten auf beiden Seiten der Grenze sollten prüfen, ob das nächste Vorhaben in die Brandenburger Betriebsstätte gehört. Wir beraten zur JTF-Unternehmensförderung in Brandenburg, also für Vorhaben im Lausitzer Revier und in der Uckermark, von der Ersteinschätzung bis zum Verwendungsnachweis. Liegt Ihre Betriebsstätte in Sachsen, ist die SAB Ihre Anlaufstelle.

Häufige Fragen

Gibt es in Sachsen überhaupt noch JTF-Förderung für Unternehmen?
Nur noch im Mitteldeutschen Revier, also in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen, dort mit einer auf maximal 40 % gesenkten Quote. Für Bautzen, Görlitz und Chemnitz nimmt die SAB keine Anträge mehr an. Auch das sächsische Landesprogramm Regionales Wachstum für die übrigen Landkreise ist nach Angaben der SAB derzeit geschlossen.
Mein Betrieb sitzt in Görlitz. Kann ich das Brandenburger Programm nutzen?
Nein. Maßgeblich ist die Betriebsstätte: Wer in Sachsen produziert, beantragt bei der SAB nach den sächsischen Regeln. Das Brandenburger Programm verlangt eine Betriebsstätte im Lausitzer Revier Brandenburgs oder im Landkreis Uckermark.
Weißwasser, Guben, Forst: Wo verläuft die Grenze in der Lausitz?
Entlang der Landesgrenze. Weißwasser, Görlitz, Bautzen und Hoyerswerda liegen in Sachsen und damit im sächsischen JTF-Gebiet. Guben, Forst, Spremberg, Cottbus und das übrige Brandenburger Revier laufen über die ILB.
Gibt es den JTF auch in anderen Bundesländern?
Ja, unter anderem im Rheinischen Revier in Nordrhein-Westfalen und im Mitteldeutschen Revier in Sachsen-Anhalt. Jedes Land hat eigene Programme mit eigenen Bedingungen und Fristen.
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